Ein 24-stündiges Dokumentarfilmerlebnis mit erweitertem Second Screen-Angebot

Projekt

TV-Programm

Web

“24h Jerusalem” erzählt einen Tag in dieser magischen und widersprüchlichen Stadt. Ein weltweit einzigartiges Projekt aus der Mitte eines Brennpunktes - im Fernsehen und im Internet.

Jerusalem, eine Stadt wie keine andere in der Welt. Ein Ort der Grenzerlebnisse, Sehnsüchte und Ideologien. Himmel und Erde kommen hier zusammen - und mit ihnen die Religionen dieser Welt. Doch in Jerusalem verdichten sich auch Konflikte und Kämpfe. Israelis und Palästinenser ringen seit Jahrzehnten um einen Platz in der geteilten Stadt.

Mit “24h Jerusalem” reisen Sie einen ganzen Tag lang in diesen mystischen Schmelztiegel - erleben spannende Begegnungen in den engen Gassen und Gemäuern, die jahrtausendalte Geschichte atmen - und lernen Bewohner kennen, die im Alltag auf jedem Meter an neue Grenzen stoßen.

Partner

  • Zero One
  • Alegria
  • BR
  • ARTE
  • FFF Bayern
  • medienboard
  • Film und Medien Stiftung NRW
  • Medai - Europe loves cinema
  • YLE Teema
  • NRK
  • firsthandfilms

Ein historisches Fernsehprojekt

Es beginnt um sechs Uhr morgens. Ein neuer Tag bricht in Jerusalem an - und mit ihm nehmen viele spannende Geschichten ihren Lauf. Über 70 Fernsehteams haben im April 2013 einen ganzen Tag in der aufregenden Stadt dokumentiert. Von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr morgens am nächsten Tag.

Wir haben 24 Stunden lang Menschen begleitet, die in Jerusalem leben. Israelis, Palästinenser, Flüchtlinge der Shoah, junge Menschen auf der Suche nach dem Lebensglück, tiefgläubige Bürger und viele weitere spannende Charaktere. “24h Jerusalem” zeigt eine Stadt nah am Menschen und beobachtet sie im täglichen Kampf um Platz, Stolz, Respekt und Frieden.

Jerusalem - eine Stadt mit unzähligen Gesichtern. Für die einen eine Hauptstadt, für andere ein besetztes Gebiet. Ein Ort zwischen Himmel und Erde - voller Leben und Lebensgefahren! Tauchen Sie mit ein und begleiten Sie uns 24 Stunden lang - am 12. April 2014 auf ARTE und im BAYERISCHEN FERNSEHEN.

Produktion

“24h Jerusalem” entstand unter der Projektregie von Regisseur und Dramaturg Volker Heise. “24h Jerusalem“ wird produziert von Thomas Kufus / zero one 24 (“24h Berlin”), in Koproduktion mit Alegria Productions (Frankreich), dem Bayerischen Rundfunk (BR) und ARTE. “24h Jerusalem“ wird gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern, vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der Film- und Medienstiftung NRW und von Media TV Broadcasting. In Deutschland wird “24h Jerusalem“ vom Bayerischen Rundfunk (BR) ausgestrahlt, in Frankreich und Deutschland von ARTE, in Finnland von YLE und in Norwegen von NRK.

Ein kreatives Webevent

24hjerusalem.tv #24hjerusalem

„24h Jerusalem“ ist nicht nur ein einmaliges TV-Programm, sondern auch im Internet ein Event.
Zeitgleich zur Ausstrahlung können Sie auf einem zweiten Bildschirm (Tablet, Smartphone oder Computer) in innovativer Weise an diesem Programm teilhaben: Während Sie im Fernsehen 24 Stunden lang miterleben können, was es bedeutet in Jerusalem zuhause zu sein, finden Sie online zeitsynchronisiert alle Informationen, um Menschen, Orte, Geschichte und Gebräuche dieser Stadt noch besser zu verstehen.

Hinzu kommen kurze Smartphone-Clips –„Vines“ genannt – die live vor Ort von unserem Team, und von Einwohnern Jerusalems oder auch von Menschen aus aller Welt zum Thema “Jerusalem” aufgenommen werden. So wird der Austausch mit anderen Usern und dem Team von „24h Jerusalem“ zur kollektiven Erfahrung: informativ, poetisch und spielerisch zugleich.

Bereits 24 Tage vor der TV-Ausstrahlung beginnt im Internet der Countdown zu diesem besonderen TV- und Web-Event. Volker Heise, Projektregisseur von „24h Jerusalem“, gibt dabei in seinem Videotagebuch exklusive Einblicke in die fast unüberwindbaren Schwierigkeiten rund um die Dreharbeiten in dieser Stadt, die durch historische und aktuelle Konflikte zerrissen ist.

„24hJerusalem“, das 24-stündige TV-Programm, wird nach der Ausstrahlung für weitere 2 Monate online verfügbar sein. Ebenso alle Text-, Audio- und Videoinhalte, die im Vorfeld und am großen Event-Tag, dem 12. April 2014, live im Internet hinzugekommen sind.

Produktion

24hjerusalem.tv wird produziert von Serge Gordey und Christine Camdessus / Alegria Productions sowie von Alexandre Brachet / Upian, in Koproduktion mit Thomas Kufus / zero one 24, ARTE und dem Bayerischen Rundfunk. Mit Unterstützung der französischen Filmförderungsbehörde CNC (Centre national de la cinématographie et de l’image animée) und der Film- und Medienstiftung NRW.

Partner

  • Alegria
  • Upian
  • Zero One
  • ARTE
  • BR
  • CNC
  • Film und Medien Stiftung NRW

Projekt

“24h Jerusalem” erzählt einen Tag in dieser magischen und widersprüchlichen Stadt. Ein weltweit einzigartiges Projekt aus der Mitte eines Brennpunktes - im Fernsehen und im Internet.

Jerusalem, eine Stadt wie keine andere in der Welt. Ein Ort der Grenzerlebnisse, Sehnsüchte und Ideologien. Himmel und Erde kommen hier zusammen - und mit ihnen die Religionen dieser Welt. Doch in Jerusalem verdichten sich auch Konflikte und Kämpfe. Israelis und Palästinenser ringen seit Jahrzehnten um einen Platz in der geteilten Stadt.

Mit “24h Jerusalem” reisen Sie einen ganzen Tag lang in diesen mystischen Schmelztiegel - erleben spannende Begegnungen in den engen Gassen und Gemäuern, die jahrtausendalte Geschichte atmen - und lernen Bewohner kennen, die im Alltag auf jedem Meter an neue Grenzen stoßen.

TV-Programm

Ein historisches Fernsehprojekt

Es beginnt um sechs Uhr morgens. Ein neuer Tag bricht in Jerusalem an - und mit ihm nehmen viele spannende Geschichten ihren Lauf. Über 70 Fernsehteams haben im April 2013 einen ganzen Tag in der aufregenden Stadt dokumentiert. Von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr morgens am nächsten Tag.

Wir haben 24 Stunden lang Menschen begleitet, die in Jerusalem leben. Israelis, Palästinenser, Flüchtlinge der Shoah, junge Menschen auf der Suche nach dem Lebensglück, tiefgläubige Bürger und viele weitere spannende Charaktere. “24h Jerusalem” zeigt eine Stadt nah am Menschen und beobachtet sie im täglichen Kampf um Platz, Stolz, Respekt und Frieden.

Jerusalem - eine Stadt mit unzähligen Gesichtern. Für die einen eine Hauptstadt, für andere ein besetztes Gebiet. Ein Ort zwischen Himmel und Erde - voller Leben und Lebensgefahren! Tauchen Sie mit ein und begleiten Sie uns 24 Stunden lang - am 12. April 2014 auf ARTE und im BAYERISCHEN FERNSEHEN.

Produktion

“24h Jerusalem” entstand unter der Projektregie von Regisseur und Dramaturg Volker Heise. “24h Jerusalem“ wird produziert von Thomas Kufus / zero one 24 (“24h Berlin”), in Koproduktion mit Alegria Productions (Frankreich), dem Bayerischen Rundfunk (BR) und ARTE. “24h Jerusalem“ wird gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern, vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der Film- und Medienstiftung NRW und von Media TV Broadcasting. In Deutschland wird “24h Jerusalem“ vom Bayerischen Rundfunk (BR) ausgestrahlt, in Frankreich und Deutschland von ARTE, in Finnland von YLE und in Norwegen von NRK.

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„24h Jerusalem“ ist nicht nur ein einmaliges TV-Programm, sondern auch im Internet ein Event.
Zeitgleich zur Ausstrahlung können Sie auf einem zweiten Bildschirm (Tablet, Smartphone oder Computer) in innovativer Weise an diesem Programm teilhaben: Während Sie im Fernsehen 24 Stunden lang miterleben können, was es bedeutet in Jerusalem zuhause zu sein, finden Sie online zeitsynchronisiert alle Informationen, um Menschen, Orte, Geschichte und Gebräuche dieser Stadt noch besser zu verstehen.

Hinzu kommen kurze Smartphone-Clips –„Vines“ genannt – die live vor Ort von unserem Team, und von Einwohnern Jerusalems oder auch von Menschen aus aller Welt zum Thema “Jerusalem” aufgenommen werden. So wird der Austausch mit anderen Usern und dem Team von „24h Jerusalem“ zur kollektiven Erfahrung: informativ, poetisch und spielerisch zugleich.

Bereits 24 Tage vor der TV-Ausstrahlung beginnt im Internet der Countdown zu diesem besonderen TV- und Web-Event. Volker Heise, Projektregisseur von „24h Jerusalem“, gibt dabei in seinem Videotagebuch exklusive Einblicke in die fast unüberwindbaren Schwierigkeiten rund um die Dreharbeiten in dieser Stadt, die durch historische und aktuelle Konflikte zerrissen ist.

„24hJerusalem“, das 24-stündige TV-Programm, wird nach der Ausstrahlung für weitere 2 Monate online verfügbar sein. Ebenso alle Text-, Audio- und Videoinhalte, die im Vorfeld und am großen Event-Tag, dem 12. April 2014, live im Internet hinzugekommen sind.

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Jerusalem im Kurzvideo-Format Vine

Am 12. April wurden als kollektives Ereignis tausende 6-sekündige Videos gedreht. Lesen Sie mehr

Am 12. April wurden live tausende von „Vines“ (6-sekündige Kurzvideos) gedreht – direkt vor Ort in Jerusalem von einem Team von Filmemachern, Fotografen, Künstlern und Studenten der Jerusalemer Kunstschule, als auch von Fernsehzuschauern aus ganz Europa. Ob als Live-Statements, visuelle Gedichte oder Experimentalfilme: diese Kurzvideos bieten einen einzigartigen kreativen Blick auf die Stadt und stehen im Dialog mit dem dokumentarischen TV-Programm.

Entdecken Sie die #Themen von #24hjerusalem

#Familien

Religion und Politik bestimmen auch den Alltag der Familien in Jerusalem.

Folgen Sie dem Videotagebuch des Regisseurs Tag für Tag, 24 Folgen: Volker Heise lässt uns an den fast unüberwindbaren Schwierigkeiten bei den Vorbereitungen zum Dreh teilhaben. Lesen Sie mehr

Mit Beginn der Vorbereitung auf den langen Drehtag im Frühjahr 2013 habe ich ein Videotagebuch geführt - als Gedächtnisstütze und nicht zur Veröffentlichung gedacht. Ich hatte das Gefühl, diese Wochen für uns festhalten zu müssen. Hintergrund war der Boykott des ersten Anlaufs für die Dreharbeiten durch die palästinensische Seite im September 2012, weil sie befürchtete, Jerusalem würde nur aus israelischer Sicht dargestellt. Ein halbes Jahr und viele Gespräche später hatten wir Partner auf beiden Seiten, das Projekt war runderneuert und die Chancen schienen prächtig zu stehen. Aber dann kam alles anders und das private Tagebuch wurde unversehens zu einem Dokument. In 24 Episoden erzählt es nun von einem Projekt, dessen Ausgang bis zum letzten Moment offen ist.

nachher

Die Tage danach

Yan will ganz sicher gehen und versteckt die Festplatten mit den Filmaufnahmen.

Der große Tag

Der Drehtag

Zwischen Bangen und Hoffen.

noch 1 Tag

So viel Rüstzeug für einen Drehtag!

Technik im Wert von 2 Millionen Euro liegt für morgen bereit.

Interview mit dem Projektregisseur
Volker Heise

Warum fiel die Wahl eines erneuten 24-stündigen Stadt- & Lebensportraits ausgerechnet auf Jerusalem?

Die kurze Antwort: weil es ein neuralgischer Ort ist. Die lange Antwort: Bei 24h Berlin sind wir von einer eher soziologischen Definition von Stadt ausgegangen. Eine Stadt bedeutet größtmögliche Unterschiede auf minimalem Raum. Was aber bedeutet es, wenn die Unterschiede so groß sind, dass sich viele Einwohner einer Stadt nicht auf die elementarsten Grundlagen einigen können: Wo fängt die Stadt an, wo hört sie auf, wer ist Bürger der Stadt, wer nicht? Was bedeutet es für eine Stadt, wenn sie von drei Weltreligionen beansprucht wird und von zwei Gesellschaften? Und wie sieht es aus, wenn sich auf wenigen Metern moderne und traditionelle Vorstellungen von Lebensführung aneinander reiben? Das waren Fragen, die uns geleitet haben, und darum sind wir nach Jerusalem gegangen. Im Ergebnis würde ich nicht von einem Portrait reden, denn ein Portrait versucht sich ja immer in einer Synthese, oder in einer abgeschlossenen Erzählung, während wir die Form des theoretisch endlosen Programms gewählt haben, das verschiedene Sichtweisen zulässt. Ich versuche es immer mit diesem Bild: Ein großes Puzzle versucht ein großes Bild zu sein und stellt fest, dass die Einzelteile nicht passen — und an den Bruchstellen wird es interessant.

Inwieweit waren die Erfahrungen von 24h Berlin für den Dreh von 24h Jerusalem von Nutzen?

Von großem Nutzen. Ohne die Erfahrung und das Wissen von 24h Berlin wäre es nicht gegangen. In Jerusalem haben sich ja noch ganz andere Fragen und Probleme vor uns aufgetürmt und da war es gut, auf einer soliden Grundlage zu arbeiten. Hätten wir auch noch die ganze komplizierte Logistik zum ersten Mal aufstellen müssen oder den workflow nur theoretisch durchdrungen gehabt — dann wären wir verloren gewesen.

Jerusalem und Berlin sind zweifellos schwer miteinander zu vergleichen. Gibt es dennoch Parallelen, die Ihnen während der Dreharbeiten aufgefallen sind?

Man kann die zwei Städte nicht vergleichen. In Berlin trifft man so wenig Gläubige wie in Jerusalem Ungläubige. Berlin liegt im flachen Land, Jerusalem in den Bergen. Berlin ist Europa, Jerusalem ist zwischen den Kulturen. Berlin lebt in der Gegenwart, in Jerusalem ist die Vergangenheit stets auch Gegenwart. Man könnte vielleicht sagen: Berlin hatte eine Mauer, Jerusalem hat eine Mauer, das Bauwerk ist gewandert. Wenn man zum ersten Mal als Berliner vor den israelischen Sicherheitsanlagen steht, setzt das Herz kurz aus, weil man sich auf Zeitreise fühlt — aber dann ist auch diese Mauer eine andere Mauer.

Was waren die besonderen Herausforderungen bei einem Dreh wie diesem? Wie behandeln sie den Konflikt zwischen Israel und Palästina?

Ihre zweite Frage ist die Antwort auf die erste. In einer politisch aufgeladenen Atmosphäre zu arbeiten, die von vielen Polen her mit Energie versorgt wird, ist schwierig. Wenn man mit 70 Teams an einem Tag drehen will, bleibt das den politischen Akteuren in einer Stadt mit 800.000 Einwohnern nicht verborgen, und jeder Akteur will sein Bild von der Stadt erzählt haben. Deshalb war die große Herausforderung, Unabhängigkeit zu behaupten und gleichzeitig die Voraussetzungen für die Dreharbeiten zu schaffen. Der Konflikt spielt natürlich eine Rolle im Programm, weil er im Leben der Protagonisten, die wir begleiten, eine Rolle spielt. Fast alle Protagonisten, die wir einen Tag oder ein paar Stunden lang begleitet haben, leben an einer der Konfliktlinien, von denen die Stadt durchzogen ist. Durch ihre Augen wird der Konflikt sichtbar, was erst einmal eine ganz persönliche Sichtweise ist — bei rund 90 Protagonisten aber zu einer Vielzahl von Blickwinkeln führt. Ich wollte den Konflikt weder erklären noch glätten, sondern die Verstrickung zeigen. Deren lose Enden führen ja nicht selten nach Deutschland und nach Berlin. Die Interviews führten Sophie Diernberger und Julian Claassen.

Entretiens réalisés par Sophie Diernberger et Julian Claassen.

Interview mit dem Produzenten
Thomas Kufus

Im Spätsommer 2012 war der Drehtag bereits in konkreter Planung. Was ist passiert, warum musste er verschoben werden?

Wir sind nach Israel gegangen mit dem Wunsch, unser Wissen über das 24-stündige Format an israelische und palästinensische Koproduktionspartner vor Ort zu übergeben. Wie bei 24h Berlin wollten wir auch in Jerusalem die Bevölkerungsstruktur abbilden, es leben dort 2/3 Israelis und 1/3 Palästinenser. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit war der Drehtag dann für den 6.9.2012 geplant. Drei Wochen vor Drehbeginn gab es plötzlich erste Alarmzeichen seitens palästinensischer Boykottgruppen. Diese international organisierten Gruppierungen aus dem Umfeld der BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions campaign) reklamierten, das Projekt sei politisch nicht in Ordnung, es ergreife Partei für die Israelis, normalisiere den Zustand der Besetzung Jerusalems durch die Israelis und akzeptiere damit die Lebensumstände dort stillschweigend. Innerhalb von wenigen Tagen waren alle palästinensischen Kreativen und auch die Protagonisten über diverse „social networks“ zum Boykott aufgerufen worden. Und sind zwangsläufig ausgestiegen, nicht alle nur aus freiem Willen, sondern auch, weil sie verbal mit Telefonaten bedroht wurden. Am Tag vor dem geplanten Dreh musste das Projekt abgesagt werden, denn wir wollten in der geteilten Stadt kein Projekt herstellen, in dem nur Israelis vorkommen, wo nur sie drehen und die Interviews führen. Der durch die Absage entstandene Schaden war deutlich, nicht nur mental, sondern auch finanziell. Es gab danach nur zwei Möglichkeiten: Das ganze Unternehmen abblasen oder es umstrukturieren und völlig neu aufbauen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Heute wissen wir, wir hätten von Beginn an beratende, unabhängige Institutionen, auch bezüglich Organisationsstruktur und Vorgehensweise, zu Rate ziehen müssen. Denn die lokalen Partner dort sind verständlicherweise zu sehr in den Konflikt und das Alltagsleben mit seinen Einschränkungen verstrickt und involviert. Wir haben die Explosivkraft dieses Projektes und dessen politische Bedeutung in der Stadt trotz für gut empfundener Planung unterschätzt und sind offen in den Boykott gerannt, der den Dreh im Spätsommer 2012 zum Scheitern brachte.

Wie hat sich das Projekt, die Organisationsstruktur nach dem 1. Boykott verändert?

Der ‚Umbau’ hat lange gedauert, es gab viele Verhandlungen und dabei auch Forderungen, die wir nicht erfüllen konnten und wollten, wie z.B. die inhaltliche Einflussnahme der Palästinenser auf das Programm. Viele Seiten wollten mitreden. Da das Programm in Europa ausgestrahlt wird, geht es auch um unsere christlichen und historischen Wurzeln in der Stadt, und nicht nur um den Konflikt. Herauskristallisiert hat sich dann die Idee, das Szenario neu aufzubauen mit einer paritätischen Aufteilung zwischen palästinensischen, israelischen und europäischen Teams und analoger Aufteilung dazu auch bei den Protagonisten. Eine Bedingung der palästinensischen Seite nach dem ersten Boykott war die „Separation“: Kein palästinensisches Team sollte mit Israelis zusammenkommen, alle Termine und die Planung mussten getrennt stattfinden. Gelder aus Jerusalem, die es zuvor von der Stadtverwaltung gegeben hatte, haben wir daher komplett zurückgegeben. (Dafür haben wir wieder Ärger von der israelischen Seite bekommen, weil sie ihre Interessen geschmälert sahen.) Diese Konditionen konnten wir erfüllen, andere wollten wir definitiv nicht. Entscheidend aber war, dass unser Projekt erst durch diesen Neuansatz eine echte Unabhängigkeit erlangte. Fortan waren wir die einzigen Produzenten, die mit unseren europäischen Partnern im Rücken agieren konnten. Das wirkte in vielen Situationen wie „Balsam auf die vom Konflikt auf beiden Seiten verwundeten Seelen“. Die neue Vorbereitung nahm ihren Lauf. Durch sehr viel persönliche Überzeugungskraft konnten beide Seiten für diesen neuen Anlauf gewonnen werden. Die hartnäckigen Boykotteure blieben in der Deckung. Drei Tage dann vor dem neu angesetzten Drehtag am 18. April 2013 flammte jedoch ein erneuter Boykott auf, verbunden mit dem dann bereits ungerechtfertigten und auch für unsere palästinensischen Mitarbeiter ärgerlich klingenden Vorwurf der Parteinahme für Israel. Schließlich wurde Teammitgliedern so sehr mit erheblich einschränkenden Konsequenzen gedroht, dass wir den Dreh der palästinensischen Teams nicht mehr verantworten konnten und zunächst absagen mussten. Mit den israelischen und europäischen Teams und Protagonisten drehten wir trotzdem und setzten auf die Kraft des Faktischen. Die Tatsache, dass Europäer und Israelis unbeirrt von der Absage auf palästinensischer Seite gedreht haben, hat sicherlich schnell dazu geführt, dass viele Palästinenser doch wieder zurückgekehrt sind. Denn sie wollten natürlich auch ihre Sicht auf Jerusalem beitragen. Das Fenster der Dreharbeiten haben wir kurzerhand für die palästinensische Seite erweitert, von ursprünglich einem auf drei Tage. In Windeseile mussten wir teils neue Teams zusammenstellen, neue Drehorte und Protagonisten zuteilen. Selbst große Institutionen (z.B. eine Stiftung, die religiöse Stätten kontrolliert, sowie Krankenhäuser und große Hotels) konnten wir rechtzeitig zurückgewinnen. Wir haben also das Format „einen Türspalt“ geöffnet, um am Ende zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen — zu einer Ausgewogenheit im Material, zu einer Balance zwischen den drei großen Weltreligionen, den verschiedenen Kulturen.

Welchen Erkenntnisgewinn haben 1. und 2. Boykott gebracht?

Bei solch einem Projekt — mit dieser Größenordnung und dadurch auch politischen Dimension — muss man sich für eine Perspektive entscheiden. Wir haben als Konsequenz des 1. Boykotts nun die europäische Perspektive eingenommen, als Ausweg aus dem Dilemma. Dass die Israelis Jerusalem völlig anders sehen als die Palästinenser liegt auf der Hand. Und dass dies nie zu vereinbaren ist, das haben wir so deutlich erst dort vor Ort gemerkt und durchdrungen. Der Blick aus der Ferne, von außen, hat uns diese Erkenntnis nicht gebracht. Wenn wir hier in Deutschland kulturelle Koexistenz-Projekte aus Israel konsumieren, finden das alle „politically correct“ — mit Palästinensern und Israelis zusammen. Aber die Wahrheit dort ist eine völlig andere. Auch Daniel Barenboim ist mit seinem Diwan-Orchester boykottiert worden, ebenso viele andere Kulturschaffende. Die kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Israel bedeutet für engagierte Palästinenser „Normalization“, eine Etablierung des Status Quo. Die Aktivisten der Boykottbewegung wählen also spezielle Projekte aus, die sie mit Sanktionen belegen. Wir mussten erkennen, dass dies eines der wenigen Mittel ist, das sie überhaupt noch haben. Die Palästinenser haben in Ostjerusalem keine Stadtverwaltung und damit nur wenig Bürgerrechte. Nach dem Ende der 2. Intifada ist es jetzt der Kampf mit friedlichen Mitteln. Unsere Erkenntnis, die Folge aus dem intensiven Prozess der Vorbereitung und der damit verbundenen Konflikte ist: Wir machen als Europäer ein Projekt finanziert von europäischen Fernsehanstalten und Förderungen für ein Europäisches Publikum. Mit einer paritätischen Aufteilung des Projekts für Israel, Palästina und Europa bezüglich Organisation, Teams und Themen sowie Protagonisten.

Gedanken der Produzenten
Serge Gordey & Alexandre Brachet

Das Zusammenspiel zwischen Fernsehen und Internet wird in der Kulturbranche heiß debattiert. Das Internet, heißt es gar, sei im Begriff, das Fernsehen abzulösen. Da zeigt ein so innovatives und ehrgeiziges Projekt wie „24h Jerusalem“, dass das Fernsehen sein letztes Wort noch nicht gesprochen hat. Ganz im Gegenteil: das Fernsehen scheint sich auch dank des Internets gerade neu zu erfinden.

Sicherlich hatte kein Fernsehzuschauer die Zeit oder die Ausdauer, „24h Jerusalem“ durchgehend mit zu verfolgen. Für all diejenigen, die sich dennoch vorgenommen haben, einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang am Leben der Bewohner von Jerusalem teilzunehmen, haben die Projektverantwortlichen entschieden das Programm online zugänglich zu machen – und zwar für einen einmaligen Zeitraum von zwei Monaten. So kann jeder noch einmal Zeuge des intensiven Alltags der Bewohner dieser Stadt werden.

Aber wir sind noch einen Schritt weiter gegangen. In Zusammenarbeit mit den Fernsehsendern ARTE und BR, haben wir eine nie da gewesenes Konzept entwickelt, welches dem Dokumentarfilmerlebnis von „24h Jerusalem“ noch mehr Resonanz verleiht. Während des gesamten Programms stehen den Zuschauern Zusatz-Infos auf einem Zweitbildschirm zur Verfügung (Tablet, Smartphone oder Computer) – insgesamt sind es an die 1000. Diese lassen sich ganz einfach mit der Ausstrahlungszeit synchronisieren. Angeboten werden Informationen zu Geschichte und Gesellschaft, Theologie und Demographie, wie auch Karten und virtuelle Orientierungshilfen in 360°-Ansicht.

Zusätzlich zu diesen Informationstafeln ist diese Reise gleichzeitig ein großes künstlerisches und kollektives Abenteuer: Hunderte und Aberhunderte von in Jerusalem gedrehten Vines (sechs-sekündigen Videos), werden mit den Folgen des Fernsehprogramms verlinkt. Es handelt sich hier um Aufnahmen eines Teams von Filmemachern, von Künstlern, Videokünstlern oder ganz einfach Amateurfilmern mit ganz eigener, mehr oder weniger distanzierter Sichtweise – ironisch, poetisch, aber auf jeden Fall einzigartig und subjektiv. Gedreht wurden diese Filme während der Ausstrahlung und von unserer Regie live im Web ausgewählt. Eine weitere Art, „24h Jerusalem zu erleben“ – online!

So entdeckt man, dass hinter einem Bild ein anderes verborgen ist – oder vielmehr, eines das andere bereits andeutet. Derart viele Sichtweisen schärfen unseren Blick dafür, dass ein Bild nie die reine Wirklichkeit abbildet. Vielmehr ist es immer nur eine Vorstellung davon. Dies ist umso wertvoller in einer Stadt wie Jerusalem, einer Stadt zwischen Himmel und Erde, wo Vergangenheit und Gegenwart in einem fort verschmelzen und wo eine Sekunde niemals nur ein Abbild der Ewigkeit ist.

Partner von 24h Jerusalem

  • Zero One
  • Alegria
  • Upian
  • BR
  • ARTE
  • FFF Bayern
  • medienboard
  • Film und Medien Stiftung NRW
  • Medai - Europe loves cinema
  • CNC
  • YLE Teema
  • NRK
  • firsthandfilms

Medien-
kooperationen

  • Rue 89
  • Zeit
  • The Guardian

Interview mit dem Projektregisseur
Volker Heise

Interview mit dem Produzenten
Thomas Kufus

Warum fiel die Wahl eines erneuten 24-stündigen Stadt- & Lebensportraits ausgerechnet auf Jerusalem?

Die kurze Antwort: weil es ein neuralgischer Ort ist. Die lange Antwort: Bei 24h Berlin sind wir von einer eher soziologischen Definition von Stadt ausgegangen. Eine Stadt bedeutet größtmögliche Unterschiede auf minimalem Raum. Was aber bedeutet es, wenn die Unterschiede so groß sind, dass sich viele Einwohner einer Stadt nicht auf die elementarsten Grundlagen einigen können: Wo fängt die Stadt an, wo hört sie auf, wer ist Bürger der Stadt, wer nicht? Was bedeutet es für eine Stadt, wenn sie von drei Weltreligionen beansprucht wird und von zwei Gesellschaften? Und wie sieht es aus, wenn sich auf wenigen Metern moderne und traditionelle Vorstellungen von Lebensführung aneinander reiben? Das waren Fragen, die uns geleitet haben, und darum sind wir nach Jerusalem gegangen. Im Ergebnis würde ich nicht von einem Portrait reden, denn ein Portrait versucht sich ja immer in einer Synthese, oder in einer abgeschlossenen Erzählung, während wir die Form des theoretisch endlosen Programms gewählt haben, das verschiedene Sichtweisen zulässt. Ich versuche es immer mit diesem Bild: Ein großes Puzzle versucht ein großes Bild zu sein und stellt fest, dass die Einzelteile nicht passen — und an den Bruchstellen wird es interessant.

Inwieweit waren die Erfahrungen von 24h Berlin für den Dreh von 24h Jerusalem von Nutzen?

Von großem Nutzen. Ohne die Erfahrung und das Wissen von 24h Berlin wäre es nicht gegangen. In Jerusalem haben sich ja noch ganz andere Fragen und Probleme vor uns aufgetürmt und da war es gut, auf einer soliden Grundlage zu arbeiten. Hätten wir auch noch die ganze komplizierte Logistik zum ersten Mal aufstellen müssen oder den workflow nur theoretisch durchdrungen gehabt — dann wären wir verloren gewesen.

Jerusalem und Berlin sind zweifellos schwer miteinander zu vergleichen. Gibt es dennoch Parallelen, die Ihnen während der Dreharbeiten aufgefallen sind?

Man kann die zwei Städte nicht vergleichen. In Berlin trifft man so wenig Gläubige wie in Jerusalem Ungläubige. Berlin liegt im flachen Land, Jerusalem in den Bergen. Berlin ist Europa, Jerusalem ist zwischen den Kulturen. Berlin lebt in der Gegenwart, in Jerusalem ist die Vergangenheit stets auch Gegenwart. Man könnte vielleicht sagen: Berlin hatte eine Mauer, Jerusalem hat eine Mauer, das Bauwerk ist gewandert. Wenn man zum ersten Mal als Berliner vor den israelischen Sicherheitsanlagen steht, setzt das Herz kurz aus, weil man sich auf Zeitreise fühlt — aber dann ist auch diese Mauer eine andere Mauer.

Was waren die besonderen Herausforderungen bei einem Dreh wie diesem? Wie behandeln sie den Konflikt zwischen Israel und Palästina?

Ihre zweite Frage ist die Antwort auf die erste. In einer politisch aufgeladenen Atmosphäre zu arbeiten, die von vielen Polen her mit Energie versorgt wird, ist schwierig. Wenn man mit 70 Teams an einem Tag drehen will, bleibt das den politischen Akteuren in einer Stadt mit 800.000 Einwohnern nicht verborgen, und jeder Akteur will sein Bild von der Stadt erzählt haben. Deshalb war die große Herausforderung, Unabhängigkeit zu behaupten und gleichzeitig die Voraussetzungen für die Dreharbeiten zu schaffen. Der Konflikt spielt natürlich eine Rolle im Programm, weil er im Leben der Protagonisten, die wir begleiten, eine Rolle spielt. Fast alle Protagonisten, die wir einen Tag oder ein paar Stunden lang begleitet haben, leben an einer der Konfliktlinien, von denen die Stadt durchzogen ist. Durch ihre Augen wird der Konflikt sichtbar, was erst einmal eine ganz persönliche Sichtweise ist — bei rund 90 Protagonisten aber zu einer Vielzahl von Blickwinkeln führt. Ich wollte den Konflikt weder erklären noch glätten, sondern die Verstrickung zeigen. Deren lose Enden führen ja nicht selten nach Deutschland und nach Berlin. Die Interviews führten Sophie Diernberger und Julian Claassen.

Die Interviews führten Sophie Diernberger und Julian Claassen.

Im Spätsommer 2012 war der Drehtag bereits in konkreter Planung. Was ist passiert, warum musste er verschoben werden?

Wir sind nach Israel gegangen mit dem Wunsch, unser Wissen über das 24-stündige Format an israelische und palästinensische Koproduktionspartner vor Ort zu übergeben. Wie bei 24h Berlin wollten wir auch in Jerusalem die Bevölkerungsstruktur abbilden, es leben dort 2/3 Israelis und 1/3 Palästinenser. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit war der Drehtag dann für den 6.9.2012 geplant. Drei Wochen vor Drehbeginn gab es plötzlich erste Alarmzeichen seitens palästinensischer Boykottgruppen. Diese international organisierten Gruppierungen aus dem Umfeld der BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions campaign) reklamierten, das Projekt sei politisch nicht in Ordnung, es ergreife Partei für die Israelis, normalisiere den Zustand der Besetzung Jerusalems durch die Israelis und akzeptiere damit die Lebensumstände dort stillschweigend. Innerhalb von wenigen Tagen waren alle palästinensischen Kreativen und auch die Protagonisten über diverse „social networks“ zum Boykott aufgerufen worden. Und sind zwangsläufig ausgestiegen, nicht alle nur aus freiem Willen, sondern auch, weil sie verbal mit Telefonaten bedroht wurden. Am Tag vor dem geplanten Dreh musste das Projekt abgesagt werden, denn wir wollten in der geteilten Stadt kein Projekt herstellen, in dem nur Israelis vorkommen, wo nur sie drehen und die Interviews führen. Der durch die Absage entstandene Schaden war deutlich, nicht nur mental, sondern auch finanziell. Es gab danach nur zwei Möglichkeiten: Das ganze Unternehmen abblasen oder es umstrukturieren und völlig neu aufbauen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Heute wissen wir, wir hätten von Beginn an beratende, unabhängige Institutionen, auch bezüglich Organisationsstruktur und Vorgehensweise, zu Rate ziehen müssen. Denn die lokalen Partner dort sind verständlicherweise zu sehr in den Konflikt und das Alltagsleben mit seinen Einschränkungen verstrickt und involviert. Wir haben die Explosivkraft dieses Projektes und dessen politische Bedeutung in der Stadt trotz für gut empfundener Planung unterschätzt und sind offen in den Boykott gerannt, der den Dreh im Spätsommer 2012 zum Scheitern brachte.

Wie hat sich das Projekt, die Organisationsstruktur nach dem 1. Boykott verändert?

Der ‚Umbau’ hat lange gedauert, es gab viele Verhandlungen und dabei auch Forderungen, die wir nicht erfüllen konnten und wollten, wie z.B. die inhaltliche Einflussnahme der Palästinenser auf das Programm. Viele Seiten wollten mitreden. Da das Programm in Europa ausgestrahlt wird, geht es auch um unsere christlichen und historischen Wurzeln in der Stadt, und nicht nur um den Konflikt. Herauskristallisiert hat sich dann die Idee, das Szenario neu aufzubauen mit einer paritätischen Aufteilung zwischen palästinensischen, israelischen und europäischen Teams und analoger Aufteilung dazu auch bei den Protagonisten. Eine Bedingung der palästinensischen Seite nach dem ersten Boykott war die „Separation“: Kein palästinensisches Team sollte mit Israelis zusammenkommen, alle Termine und die Planung mussten getrennt stattfinden. Gelder aus Jerusalem, die es zuvor von der Stadtverwaltung gegeben hatte, haben wir daher komplett zurückgegeben. (Dafür haben wir wieder Ärger von der israelischen Seite bekommen, weil sie ihre Interessen geschmälert sahen.) Diese Konditionen konnten wir erfüllen, andere wollten wir definitiv nicht. Entscheidend aber war, dass unser Projekt erst durch diesen Neuansatz eine echte Unabhängigkeit erlangte. Fortan waren wir die einzigen Produzenten, die mit unseren europäischen Partnern im Rücken agieren konnten. Das wirkte in vielen Situationen wie „Balsam auf die vom Konflikt auf beiden Seiten verwundeten Seelen“. Die neue Vorbereitung nahm ihren Lauf. Durch sehr viel persönliche Überzeugungskraft konnten beide Seiten für diesen neuen Anlauf gewonnen werden. Die hartnäckigen Boykotteure blieben in der Deckung. Drei Tage dann vor dem neu angesetzten Drehtag am 18. April 2013 flammte jedoch ein erneuter Boykott auf, verbunden mit dem dann bereits ungerechtfertigten und auch für unsere palästinensischen Mitarbeiter ärgerlich klingenden Vorwurf der Parteinahme für Israel. Schließlich wurde Teammitgliedern so sehr mit erheblich einschränkenden Konsequenzen gedroht, dass wir den Dreh der palästinensischen Teams nicht mehr verantworten konnten und zunächst absagen mussten. Mit den israelischen und europäischen Teams und Protagonisten drehten wir trotzdem und setzten auf die Kraft des Faktischen. Die Tatsache, dass Europäer und Israelis unbeirrt von der Absage auf palästinensischer Seite gedreht haben, hat sicherlich schnell dazu geführt, dass viele Palästinenser doch wieder zurückgekehrt sind. Denn sie wollten natürlich auch ihre Sicht auf Jerusalem beitragen. Das Fenster der Dreharbeiten haben wir kurzerhand für die palästinensische Seite erweitert, von ursprünglich einem auf drei Tage. In Windeseile mussten wir teils neue Teams zusammenstellen, neue Drehorte und Protagonisten zuteilen. Selbst große Institutionen (z.B. eine Stiftung, die religiöse Stätten kontrolliert, sowie Krankenhäuser und große Hotels) konnten wir rechtzeitig zurückgewinnen. Wir haben also das Format „einen Türspalt“ geöffnet, um am Ende zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen — zu einer Ausgewogenheit im Material, zu einer Balance zwischen den drei großen Weltreligionen, den verschiedenen Kulturen.

Welchen Erkenntnisgewinn haben 1. und 2. Boykott gebracht?

Bei solch einem Projekt — mit dieser Größenordnung und dadurch auch politischen Dimension — muss man sich für eine Perspektive entscheiden. Wir haben als Konsequenz des 1. Boykotts nun die europäische Perspektive eingenommen, als Ausweg aus dem Dilemma. Dass die Israelis Jerusalem völlig anders sehen als die Palästinenser liegt auf der Hand. Und dass dies nie zu vereinbaren ist, das haben wir so deutlich erst dort vor Ort gemerkt und durchdrungen. Der Blick aus der Ferne, von außen, hat uns diese Erkenntnis nicht gebracht. Wenn wir hier in Deutschland kulturelle Koexistenz-Projekte aus Israel konsumieren, finden das alle „politically correct“ — mit Palästinensern und Israelis zusammen. Aber die Wahrheit dort ist eine völlig andere. Auch Daniel Barenboim ist mit seinem Diwan-Orchester boykottiert worden, ebenso viele andere Kulturschaffende. Die kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Israel bedeutet für engagierte Palästinenser „Normalization“, eine Etablierung des Status Quo. Die Aktivisten der Boykottbewegung wählen also spezielle Projekte aus, die sie mit Sanktionen belegen. Wir mussten erkennen, dass dies eines der wenigen Mittel ist, das sie überhaupt noch haben. Die Palästinenser haben in Ostjerusalem keine Stadtverwaltung und damit nur wenig Bürgerrechte. Nach dem Ende der 2. Intifada ist es jetzt der Kampf mit friedlichen Mitteln. Unsere Erkenntnis, die Folge aus dem intensiven Prozess der Vorbereitung und der damit verbundenen Konflikte ist: Wir machen als Europäer ein Projekt finanziert von europäischen Fernsehanstalten und Förderungen für ein Europäisches Publikum. Mit einer paritätischen Aufteilung des Projekts für Israel, Palästina und Europa bezüglich Organisation, Teams und Themen sowie Protagonisten.

Gedanken der Produzenten
Serge Gordey & Alexandre Brachet

Das Zusammenspiel zwischen Fernsehen und Internet wird in der Kulturbranche heiß debattiert. Das Internet, heißt es gar, sei im Begriff, das Fernsehen abzulösen. Da zeigt ein so innovatives und ehrgeiziges Projekt wie „24h Jerusalem“, dass das Fernsehen sein letztes Wort noch nicht gesprochen hat. Ganz im Gegenteil: das Fernsehen scheint sich auch dank des Internets gerade neu zu erfinden.

Sicherlich hatte kein Fernsehzuschauer die Zeit oder die Ausdauer, „24h Jerusalem“ durchgehend mit zu verfolgen. Für all diejenigen, die sich dennoch vorgenommen haben, einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang am Leben der Bewohner von Jerusalem teilzunehmen, haben die Projektverantwortlichen entschieden das Programm online zugänglich zu machen – und zwar für einen einmaligen Zeitraum von zwei Monaten. So kann jeder noch einmal Zeuge des intensiven Alltags der Bewohner dieser Stadt werden.

Aber wir sind noch einen Schritt weiter gegangen. In Zusammenarbeit mit den Fernsehsendern ARTE und BR, haben wir eine nie da gewesenes Konzept entwickelt, welches dem Dokumentarfilmerlebnis von „24h Jerusalem“ noch mehr Resonanz verleiht. Während des gesamten Programms stehen den Zuschauern Zusatz-Infos auf einem Zweitbildschirm zur Verfügung (Tablet, Smartphone oder Computer) – insgesamt sind es an die 1000. Diese lassen sich ganz einfach mit der Ausstrahlungszeit synchronisieren. Angeboten werden Informationen zu Geschichte und Gesellschaft, Theologie und Demographie, wie auch Karten und virtuelle Orientierungshilfen in 360°-Ansicht.

Zusätzlich zu diesen Informationstafeln ist diese Reise gleichzeitig ein großes künstlerisches und kollektives Abenteuer: Hunderte und Aberhunderte von in Jerusalem gedrehten Vines (sechs-sekündigen Videos), werden mit den Folgen des Fernsehprogramms verlinkt. Es handelt sich hier um Aufnahmen eines Teams von Filmemachern, von Künstlern, Videokünstlern oder ganz einfach Amateurfilmern mit ganz eigener, mehr oder weniger distanzierter Sichtweise – ironisch, poetisch, aber auf jeden Fall einzigartig und subjektiv. Gedreht wurden diese Filme während der Ausstrahlung und von unserer Regie live im Web ausgewählt. Eine weitere Art, „24h Jerusalem zu erleben“ – online!

So entdeckt man, dass hinter einem Bild ein anderes verborgen ist – oder vielmehr, eines das andere bereits andeutet. Derart viele Sichtweisen schärfen unseren Blick dafür, dass ein Bild nie die reine Wirklichkeit abbildet. Vielmehr ist es immer nur eine Vorstellung davon. Dies ist umso wertvoller in einer Stadt wie Jerusalem, einer Stadt zwischen Himmel und Erde, wo Vergangenheit und Gegenwart in einem fort verschmelzen und wo eine Sekunde niemals nur ein Abbild der Ewigkeit ist.